MANTHEY RACING. Ready for your Porsche!
19.05.2015

Manthey bringt beim 24-Stunden-Rennen zwei Porsche ins Ziel

Wochenspiegel-RSR rutscht auf dem ausgelaufenen Kühlwasser eines Vordermanns mit Porsche-Werksfahrer Michael Christensen am Volant aus dem Wettbewerb.

Manthey-Racing bringt beim 43. Int. ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen Nürburgring 2015 zwei Porsche ins Ziel, drei weitere werden durch Unfälle aus dem Langstrecken-Klassiker gerissen.

Mit der Startnummer 10 war der Wochenspiegel-RSR als 22. des Top-30-Qualifyings im internen Ranking der bestplatzierte und damit chanchenreichste der fünf Manthey-Porsche. Jochen Krumbach, der Monschauer Druck- und Medienunternehmer Georg Weiss, der Kottenheimer Oliver Kainz – wie Weiss ein Eifeler mit Heimspiel – sowie der aus Dänemark stammende Porsche-Werkspilot Michael Christensen waren als Fahrer auf diesem inzwischen auch sporthistorisch relevanten Porsche mit einem Derivat des legendären "Mezger-Motors" eingeteilt. Vom 911 GT3 RSR auf dem (letzten) Entwicklungsstand von 2012 haben weltweit nicht mehr als neun fahrfertige Einheiten existiert.

Zu der Alleinstellung dieser GTE-Rennversion, die auf dem Nürburgring in der eigens geschaffenen Kategorie "SP PRO" startete, zählt eine exponierte Einsatzhistorie: allein drei Teilnahmen bei einem 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife sind dokumentiert. Der erste Einsatz zweimal rund um die Uhr trug sich fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, am 19. und 20. Mai 2013, zu. Nach einem starken zehnten Platz beim 39. ADAC Zurich 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2011 – damals noch auf 911 GT3 Cup MR der Generation 997 – stand es alles andere als schlecht um die Aussichten, unter wesentlich härteren Bedingungen eine ähnlich gute Platzierung zu erreichen. Doch nachdem die Stammfahrer Oliver Kainz, der am Start hinter dem Lenkrad saß, sowie Jochen Krumbach den ersten und zweiten Stint absolviert hatten, lief es für den Skandinavier Michael Christensen in der insgesamt dritten Tagesschicht nicht mehr plangemäß. In der 23. Rennrunde rutschte er ausgangs des "Kleinen Karussels" am schnellen Streckenabschnitt "Schwalbenschwanz" auf dem ausgelaufenen Kühlmittel eines vorausfahrenen Fahrzeugs in die Leitplanken. Dabei beschädigte er Teile der Karosserie-Verkleidung und leider auch die Radaufhängung hinten rechts. So erlitten die Aufhängungsbefestigungen an der Karosserie irreparable Beschädigungen. Georg Weiss, Frontmann und im Jahr 2007 Initiator des Wochenspiegel Teams Manthey (WTM), musste den Ausfall nach nur vier von 24 Stunden zur Kenntnis nehmen. Er selbst war bis dahin noch gar nicht zum Einsatz gekommen.

Wie zutreffend die Strategie, eine Platzierung unter den zehn Erstplatzierten anzupeilen, trotz stärkster Konkurrenz gewesen ist, beweist ein anfangs hinter dem Wochenspiegel-RSR einherfahrender Mercedes SLS AMG GT3. Dieser belegte am Ende genau den zehnten Rang, um den es dem Rennen fahrenden Freundeskreis aus der Eifel gegangen war.

Als die Dunkelheit über der Eifel hereingebrochen war und die immer wieder wechselnden Wetterbedingungen zu immer weiteren Unfallereignissen führten, riss eine so genannte "Code 60"-Phase ausgangs "Aremberg" den Manthey-Krauth-Porsche 911 GT3 Cup MR mit Startnummer 90, gefahren von "Steve Smith", Reinhold Renger, Nils Reimer und Hari Proczyk, ohne eigenes Verschulden aus dem Rennen. Reimer, der zu diesem Zeitpunkt im Auto saß und ein brennendes Auto in Richtung "Fuchsröhre" vor sich ausmachte, reihte sich vorschriftsgemäß mit deutlich verlangsamtem Renntempo in den Tross ein. Plötzlich bremste sich neben ihm ein Audi-Pilot ein, eine Gasse entstand. Diese war jedoch für den nächsten, nachfolgenden Teilnehmer, der die Situation nicht mehr unter Kontrolle bekam, zu schmal. Er krachte zwischen Audi und Porsche.

Die Konsequenz: rechtes Vorderrad am GT3 Cup MR abgerissen. Der nicht mehr rollfähige Einsatzwagen kam in einer improvisierten Parktasche im Streckenbereich "Adenauer Forst" bis zum Ablauf der 24 Rennstunden zum Stehen. Als sich die von "Steve Smith" geführte Kundenmannschaft gerade ihrem völlig unverdienten Schicksal ergeben hatte, erwischte es auch die Startnummer 92. Der grün-weiße 911 GT3 Cup MR rutschte im Streckenabschnitt "Metzgesfeld" auf völlig überraschend und ohne das kleinste Vorzeichen aufgetretener Nässe chancenlos ins Aus. Zu diesem Zeitpunkt saß Sven Müller aus Bingen, Porsche-Werksfahrer und vor fünf Wochen Zweiter des 24-Stunden-Qualifikationsrennens, am Steuer.

Der ebenfalls aus dem Porsche-Werkspilotenprogramm entstammende Junior Matteo Cairoli sowie die Nordschleifen-Kenner Christoph Breuer und Mike Stursberg mussten ebenfalls (unfreiwillig) Feierabend machen, da die vor Ort festgestellten Schäden in der gebotenen Eile nicht zu beheben gewesen wären. Bei Halbzeit des Rennens um vier Uhr am Sonntagmorgen waren zwei der ehemals fünf Manthey-Porsche vom Unfallpech verschont geblieben: Klohs/Schlotter/Richter/Renauer mit dem 911 GT3 R (Startnummer 12) sowie mit der Startnummer 91 Schelp/"Schmidtmann"/Scharmach/Ziegler im letzten verbliebenen 911 GT3 Cup MR von Top Autoteile.

Speziell der Ludwigshafener Otto Klohs schien gewillt zu sein, der illustren Einsatzhistorie seines rot-weißen GT3-Renners ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Denn genau mit diesem Boliden schrieb der viermalige Sieger Marcel Tiemann beim 38. ADAC Zurich 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2010 Sportgeschichte. Sofort nach dem Start am 15. Mai 2010 legte er eine Soloflucht vor der Phalanx der Audi-Werkswagen hin, unaufhaltsam brach der gebürtige Soltauer mit dem gelb-grünen Manthey-Porsche 911 GT3 R nach vorne durch und setzte sich kontinuierlich von seinen Verfolgern ab. Nur eine Woche später, am 23. Mai 2010, hing Tiemanns Leben am seidenen Faden. Bei einem unverschuldeten Unfall am Start eines GT-Rennens im italienischen Imola zog sich der Wahl-Monegasse, der dort anstelle des Porsche einen Audi R8 LMS GT3 steuerte, ernste Verletzungen zu. Diese beendeten seine Berufsrennfahrer-Karriere auf der Stelle. Heute geht es Marcel Tiemann wieder erfreulich gut, anlässlich der Buchvorstellung der "gelb-grünen Erfolgsstory" seines ehemaligen Teamchefs Olaf Manthey am Donnerstag, dem 13. Juni 2015, strahlte er Zufriedenheit aus.

Das nahm auch der Porsche-Enthusiast Otto Klohs frohgemut zur Kenntnis. Dieser übernahm den 2010 in Betrieb genommenen und 2012 im Nadelstreifen-Design des 1984er Boss-BMW M1 von Olaf Manthey und Walter Mertes eingesetzten Porsche 911 GT3 R am Ende der Saison 2012. Seitdem ließ Klohs ihn auf den aerodynamischen Stand von 2013 bringen und in den jetzigen Farben Rot und Weiß umgestalten. 2015 startete er damit genau wie das Wochenspiegel Team Manthey zum dritten Mal beim ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Seine Teamgefährten bei der 43. Auflage des Langstrecken-Klassikers waren die Stammpartner Harald Schlotter und Jens Richter, verstärkt durch den Jedenhofener GT-Sportwagen-Spezialisten Robert Renauer. Das starke ProAM-Quartett ließ bereits mit der 25. Position im Top-30-Qualifying aufhorchen. Auf der langen Renndistanz hielten sich die Vier aus allen Kalamitäten heraus – bis zur vorletzten von 145 absolvierten Rennrunden.

Vorn rechts fingen sich die Kundenpiloten einen Reifenschaden ein, der sie um zwei Runden zurückwarf und einige Positionen kostete. Das Wichtigste war jedoch, dass sie noch einmal die Boxengasse verlassen konnten, um die Zielflagge zu sehen – andernfalls wären sie nicht gewertet worden. So konnten sie sich über den guten 17. Gesamtrang im Elitefeld freuen. Der Berliner Marco Schelp, "Dieter Schmidtmann", Peter Scharmach und Andreas Ziegler kamen mit dem verbliebenen 911 GT3 Cup MR im rot-weißen Design von Top Autoteile als achtbare 23. ins Ziel – leider gingen unterwegs rund 40 Minuten nach einem Unfallereignis verloren. Die hintere linke Radaufhängung musste ausgetauscht werden, andernfalls wären ein zweiter Platz in der Klasse und die 19. Gesamtposition möglich gewesen. Top Autoteile, ein Berliner Handelsunternehmen, war auf der Nürburgring-Nordschleife auch im Porsche Carrera Cup als Fahrzeugsponsor auf einem weiteren 911 GT3 Cup vertreten. Hier war der in Neuseeland lebende Deutsche Peter Scharmach, ein bewährter Kämpfer aus der Markenpokal-Szene der neunziger Jahre, als Gaststarter vorgesehen. Als jedoch der Porsche-Werksjunior Connor de Philippi sein eigenes Einsatzauto im Training verlor, trat Scharmach seinen Porsche – und damit auch seinen Einsatz – an Connor de Philippi ab.

Es war ein schönes, allgemein wertgeschätztes Zeichen, dass Fair Play auch im hochtechnologischen Spitzensport der Gegenwart von höchster Bedeutung ist. Dasselbe gilt für einen verbindlichen Ausblick in die Zukunft: Das 44. ADAC Zurich 24h-Rennen wird vom 26. bis 29. Mai 2016, dem Fronleichnamswochenende, ausgetragen.

 

Rennfahrzeuge

NR. PILOTEN KATEGORIE FAHRZEUG
10 Weiss, Kainz, Krumbach, Christensen SP-PRO 911 GT3 RSR
12 Klohs, Richter, Schlotter, Renauer SP 9 GT3 911 GT3 R
90 Smith, Reimer, Renger, Proczyk SP 7 911 GT3 Cup MR
91 Schelp, Scharmach, Ziegler, Schmidtmann SP 7 911 GT3 Cup MR
92 Breuer, Cairoli, Müller, Stursberg SP7 911 GT3 Cup MR