MANTHEY RACING. Ready for your Porsche!
24.03.2010

Olaf Manthey im aktuellen Interview

Wie lautet ihr persönliches Saisonfazit, wenn Sie auf die Saison 2009 zurückblicken?

O.M.: Wir sind mit der abgelaufenen Saison sehr zufrieden, mit Ausnahme der Ergebnisse des Wochenspiegel-Autos. Hier hat es einfach zu viele Unfälle und technische Defekte gegeben. Zum Schluß der Saison gab es aber dennoch ein versöhnliches Ergebnis.

 

Hätten sie sich zu Beginn der Saison 2009 gedacht, daß Sie das 24h-Rennen zum vierten Mal gewinnen können und fünf Gesamtsiege in der VLN einfahren?

O.M.: Angesichts der starken Konkurrenzsituation haben wir natürlich mit aller Kraft auf den vierten Sieg beim 24h-Rennen hin gearbeitet, aber doch mit einem anderen Ausgang des Rennens gerechnet. Auf jeden Fall war es mein größter innerlicher Triumph! Daß in der VLN noch 5 Gesamtsiege bzw. 8 Klassensiege hinzu gekommen sind, macht das Jahr 2009 zum bisher erfolgreichsten Rennjahr unserer Firmengeschichte.

 

Zum Schluß der Saison hat sich gezeigt, daß der Trend in der VLN immer mehr zu GT3-Fahrzeugen geht. Wie stehen Sie dazu?

O.M.: Unseren RSR langsamer zu machen wurde nachher teurer, als ihn schnell zu machen. Daher macht es für uns keinen Sinn weiter über den RSR als Einsatzfahrzeug auf der Nordschleife nachzudenken. Mit der GT3-Klasse werden unsere Einsatzkosten deutlich geringer ausfallen, denn nordschleifenspezifische Weiterentwicklungen, wie zuvor beim RSR, sind laut Reglement in der GT3 nicht möglich. Allerdings finde ich es persönlich schade, daß Exoten wie ein Räder-Lamborghini, ein Scheid-BMW, ein Schall-Astra oder Getrag-BMW immer mehr verschwinden werden. Aber dafür werden hoffentlich noch weitere GT3-Fabrikate wie Ferrari, Lamborghini und Aston Martin hinzu kommen.

 

In der neuen Saison kommt neben Audi auch BMW wieder werksseitig an den Nürburgring. Freuen Sie sich auf diese Herausforderung?

O.M.: Die Schnitzer-Truppe kenne ich schon seit vielen Jahren, und das waren immer faire Sportsleute. Natürlich freue ich mich auf starke faire Konkurrenz, so lange der Wettstreit vom Reglement her auf gleicher Augenhöhe ausgetragen werden kann. Wenn man dann mal einen Sieg erringt, schmeckt dieser um so süßer.

 

Können Sie einen Ausblick auf das Fahrzeugaufgebot von Manthey-Racing für das Jahr 2010 geben? Wird der neue Porsche 997 GT3 R Ihr Topauto?

O.M.: Ja, der neue 997 GT3 R wird unsere neue Speerspitze sein. Auf das neue Auto freuen wir uns! Die Wochenspiegel-Mannschaft wird in bekannter Form wieder dabei sein, als auch mit einem weiteren R. Ebenfalls wieder mit von der Partie sind unsere langjährigen englischen Freunde mit ihrem Cup-Porsche im Hippy-Design. Ein zweites Cup-Auto kommt neu hinzu. Als weitere Neuzugänge können wir zwei Haribo-Porsche vermelden. Zudem wird zu Lauf drei ein weiterer R mit Hahne, Gindorf und Krumbach an den Start gehen.

 

Wird es 2010 ein Carrera/Supercup-Engagement geben?

O.M.: Es gibt aktuell kein solches Vorhaben. Daher konzentrieren wir uns ganz auf die VLN und das 24h-Rennen.

 

Sie haben vier Mal in Folge das 24h-Rennen am Nürburgring gewonnen! Wie stehen die Chancen für Manthey im Mai?

O.M.: Es wird noch schwieriger als zuvor, denn mit Audi und BMW kämpfen gleich zwei sehr gut sortierte Hersteller um die Krone auf dem Nürburgring. Wir planen nach aktuellem Stand mit vier Fahrzeugen an den Start zu gehen, doch einen fünften Sieg in Reihe einzufahren, ist wohl etwas sehr vermessen, denn mit dem GT3 R setzen wir u.a. auf ein ganz neues Fahrzeugkonzept, welches wir erst kennenlernen müssen. Doch die Fans können sich sicher sein, daß wir es unseren Mitbewerbern nicht leicht machen werden auf unserer Hausstrecke. Der Weg zum Podest führt definitiv an der Startnummer 1 vorbei!

 

Porsche setzt als Werk ebenfalls zwei Fahrzeuge beim diesjährigen 24h-Event ein. Findet hier eine Zusammenarbeit statt?

O.M.: Wir haben der Porsche-Mannschaft zugesagt, sie mit Manpower und auch logistisch zu unterstützen. Die Einsätze selbst erfolgen jedoch eigenverantwortlich unter der Regie der Weissacher.

 

Wie geht Manthey-Racing GmbH mit der viel zitierten "Krise" um?

O.M.: Die Umsatzrückgänge sind spürbar, aber nicht dramatisch. Wir haben geeignete Sparmaßnahmen eingeleitet und werden sehen, wie sich das Geschäftsjahr 2010 entwickelt. Insofern sind wir stolz just in diesen Zeiten Neuzugänge verzeichnen zu können.

 

Können Ihre Top-Rennautos kostendeckend betrieben werden?

O.M.: Das kann ich bejahen. Jedermann weiß, daß Motorsport erst einmal viel Geld kostet, bevor rennsportliche Lorbeeren eingefahren werden können. Dank langjähriger und treuer Partner sind wir aber in der glücklichen Lage, ohne größere finanzielle Probleme gen Saisonstart blicken zu können.

 

Was passiert mit den erfolgreichen 2009er 24h-Podestfahrzeugen?

O.M.: Der siegreiche RSR wurde bereits an einen Kunden unseres Hauses verkauft, der erfolgreiche Porsche-Fahrzeuge sammelt und auch teilweise wieder einsetzt. Das sind echte Porsche-Fans - ich weiß unseren Dicken also in guten Händen. Der drittplazierte Cup S ist ebenfalls verkauft, kommt aber 2010 bei einigen VLN-Läufen und dem 24h-Event wieder auf der Nordschleife zum Einsatz.

 

Seit 2003 bieten Sie unter der Marke MANTHEY MOTORS Performance-Komponenten für straßenzugelassene Porsche-Fahrzeuge an. Was ist Ihre Philosophie hinter diesem Geschäftsbereich?

O.M.: Unsere Wurzeln liegen im Rennsort, doch wir haben uns gefragt, warum wir Porschebesitzer nicht an unserem Know How teilhaben lassen sollen und haben somit vor fast sieben Jahren die Straßensport-Abteilung gegründet. Hier betreuen wir seitdem clubsportorientierte Besitzer eines straßenzugelassenen Porsche, wobei es nicht um „show & shine“ geht, sondern ausschließlich um nachprüfbare und erfahrbare Performance. Wir wollen auf keinen Fall im Topf mit der Aufschrift „Tuner“ landen, denn wir entwickeln alle Komponenten inhouse und stellen sie sogar teilweise selbst her in Meuspath. Daneben kümmern wir uns auch um ganz normale Service-Arbeiten, wie sie jedes Porsche Zentrum anbietet.

 

Erst seit Kurzem kursieren Gerüchte, Sie hätten Galladé übernommen. Was ist Wahrheit, was Dichtung?

O.M.: Richtig ist, daß wir den schon immer in unserer direkten Nachbarschaft befindlichen kleinen und auf Motorsportteile spezialisierten Betrieb aus der insolventen Galladé-Gruppe erworben haben. Die neue Gesellschaft heißt „Manthey-TZN GmbH“ und wird unverändert von Thomas Raquet im operativen Geschäft betreut. In Verbindung mit Manthey-Racing und MANTHEY MOTORS sehe ich gute Möglichkeiten den alten Galladé-Standort nach den Turbolenzen des Insolvenzverfahrens weiterzuentwickeln. Die Galladé-Gruppe mit Hauptsitz in Witten hatte in den letzten Jahren schwer mit den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den weltweiten Märkten zu kämpfen. Der deutliche Rückgang von Aufträgen aus der Automobilindustrie erzwang dann Ende 2009 den Weg zum Insolvenzverwalter. Mit vier Mitarbeitern geht die Manthey-TZN GmbH an den Start.

 

Wie stehen Sie persönlich zur "Nürburgring-Affäre"?

O.M.: Der Nürburgring ist seit jeher unser "Wohnzimmer" und eine großartige Rennpiste mit einem legendären Ruf weltweit! Deshalb finde ich es unverantwortlich, daß durch das Projekt „Nürburgring 2009“ das Image der Strecke leiden muß, denn die Negativschlagzeilen finden kein Ende. Jetzt ist es nun `mal geschehen, und man sollte nicht weiter darüber lamentieren. Die Kosten für den Untersuchungsausschuß kann man uns Steuerzahlern ersparen, denn was immer dabei auch heraus kommt, hilft nicht wirklich weiter. Vielmehr sollte man sein Gehirnschmalz dafür verwenden, wie man die zukünftigen Betriebskosten auf ein Minimum reduziert. Denn sonst ist diese Anlage ein riesiges schwarzes Loch, welches nie gestopft werden kann. Jedenfalls wird eine weitere Preistreiberei der Rennstreckennutzung und der Anlagen kontraproduktiv sein, und bisherige sowie potenzielle Nutzer würden in die Arme von anderen Anlagenbetreibern getrieben. Das muß unter allen Umständen vermieden werden, da durch ein solches Handeln selbstverständlich auch uns als Gewerbetreibende am Nürburgring die Geschäftsgrundlage entzogen würde. Die Nordschleife war, ist und bleibt der Dreh- und Angelpunkt für alle Sportwagen- und Motorsportfreunde. Ihren Status zu erhalten ist nach den unsinnigen Abenteuern an und neben der GP-Strecke das Gebot der Stunde!

 

24. März 2010