MANTHEY RACING. Ready for your Porsche!
27.10.2014

Speed and fun 10.0: Der zehnte Manthey-Racing-Trackday auf der schönsten Rennstrecke der Welt

Jubiläums-Trackday auf der Nürburgring-Nordschleife: fahr-aktive Veranstaltung von Manthey-Racing auf höchstem Niveau, mit mehr als 80 Teilnehmern auch ein voller Erfolg.

Olaf Manthey, Jahrgang 1955, ist mit der Nürburgring-Nordschleife fest verwachsen, und das nicht nur als Gründer und Namensgeber des erfolgreichsten Porsche-Rennstalls der Gegenwart. Fünf glanzvolle Siege beim ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen auf dem anspruchsvollen Eifelkurs – den ersten 2006 herausgefahren, den fünften 2011, allesamt auf Porsche 911 – sind weit mehr als ein Kompetenzbeweis. Sie sind Zeichen einer Haltung, einer Weltanschauung. Porsche und die legendäre "Grüne Hölle", wie Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart die 1927 eröffnete Rennstrecke bei Adenau einst nannte, gehören für Manthey als Erfolgskombination untrennbar zusammen.

1991 begann er, auf einem Porsche 911 RSR Gruppe H im damaligen Veedol-Langstreckenpokal, auf der Nordschleife Rennen zu fahren. Die fliederfarbene Saugmotor-Ausführung mit einem rund 350 leistenden Sechszylinder-Boxermotor im Heck basierte noch auf dem so genannten G-Modell, wie es Porsche von 1974 bis 1989 einschließlich in Stuttgart-Zuffenhausen produzierte. Die Evolution des Kult-Sportwagens erlebte Olaf Manthey als Fahrer bis zur Generation 996 mit, ehe er 2003 endgültig den Wechsel an den Kommandostand vollzog. Seine Liebe zum 20,832 Kilometer langen Asphaltband blieb bestehen, allein die Perspektive veränderte sich.

Dies führte noch während seiner aktiven Zeit als Rennfahrer zum Aufbau eines Geschäftszweiges, der mit dem reinen Rennbetrieb, dem sich sein Unternehmen Manthey-Racing ab 1996 verschrieben hatte, durchaus verwandt war. Seine Erfahrungen, die er unter dem rot-weißen Vollvisier-Helm gesammelt hatte, führten zu sportlich konfigurierten Straßen-Sportwagen wie dem Porsche 911 GT3-MR. Dieser basierte auf dem Typ 996 und übernahm den Karosseriebau von einer im Oktober 1999 eingeführten Wettbewerbs-Ausführung.

Olaf Mantheys Philosophie dahinter war eindeutig: "Einen Porsche kann man schwerlich besser machen. Aber man kann seine sportlichen Gene noch deutlicher zur Geltung bringen, um zum Beispiel die Herausforderung Nürburgring-Nordschleife anzunehmen – nicht unbedingt als Rennfahrer, sondern 'just for fun', zum Spaß."

Dieser Klientel offerierte Olaf Manthey ein ganzheitliches Programm, das sich von einzelnen Optimierungs-Maßnahmen bis hin zu Komplettfahrzeugen erstreckte. Eigenkreationen wie der "M516" ließen ihre PS-Zahlen in die Namensgebung einfließen. Der Umgang mit solch elaborierter Materie setzte in der Praxis freilich eine gewisse Lernkurve voraus. Obwohl es naturgemäß gestandene Persönlichkeiten waren und sind, die bei Manthey-Motors – dem Zweigbetrieb für die Straßen-Klientel im Gewerbepark am Nürburgring – vorstellig werden, ließen sie sich allzu gern noch einmal zurück in ihre Schulzeit versetzen. Dann nämlich, wenn sie mit ihren spezialisierten Porsche zum ersten Mal die Nürburgring-Nordschleife unter die Räder nahmen. Sie wussten, ein überaus leistungsfähiges Sportfahrzeug ihr Eigen zu nennen.

Wo jedoch das Potenzial, der absolute Grenzbereich tatsächlich angesiedelt war, konnten die meisten Kunden allenfalls erahnen. Olaf Manthey stellte ein Phänomen fest: "Immer wieder wurde ich auf Einzelcoachings angesprochen. Viele meiner Kunden waren als Porsche-Fahrer sehr erfahren im Umgang mit höheren Geschwindigkeiten. Doch den Schritt, mit einer Variante von uns auf dem 'Ring' schnelle Runden zu drehen, trauten sich nicht alle zu. Fast immer überwog der Respekt, was für den Reifegrad meiner Kundschaft sprach – und noch immer spricht. Ich hatte jedoch ein Unternehmen zu führen und nicht immer die Zeit, als Fahrtrainer tätig zu sein."

Das Straßen-Segment legte freilich an Bedeutung zu, 2004 erlangte es den Status der Eigenständigkeit und lief unter dem Markennamen Manthey-Motors weiter. 2005 war der Zeitpunkt gekommen, die Anfragen nach Einzeltrainings in einem Event zusammenzufassen. Diese Veranstaltung fand 2005 erstmalig statt. Olaf Manthey rief einen hauseigenen, alljährlich abgehaltenen "Trackday", sprich: Fahrerlebnistag, ins Leben. Der Schauplatz: selbsterklärend die Nürburgring-Nordschleife. Die Philosophie: kein (Renn-)Wettbewerb mit Zeitmessung oder Siegerehrung, keine Veranstaltung zur Erzielung von Höchstgeschwindigkeit. Das von klassischen Sportfahrer-Lehrgängen bekannte Sektionstraining sollte gar nicht erst angeboten werden.

Olaf Manthey fasste seine auf den ersten Blick vielleicht außergewöhnlich anmutende Strategie unter dem neuen Arbeitstitel "Speed and fun" zusammen: "Unsere Kunden wollen ihre naturgemäß knappe, wertvolle Zeit nutzen, um zu fahren, zu fahren, und nochmals zu fahren. Übung vermittelt die komplexe Nordschleifen-Thematik am wirkungsvollsten. Auf besonderen Wunsch stehen unseren Kunden natürlich auch Rennfahrer aus unserem Kader zur Verfügung. Sie unterstützen bei der Analyse der Fahrlinie, der Definition der Brems- und Einlenkpunkte. Damit leisten wir einen aktiven Beitrag zur Fahrsicherheit, da das Erlernte im Alltag abrufbar ist und in kritischen Situationen durchaus hilfreich sein kann. Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn, sich in Diskussionen über einzelne Passagen zu verlieren. Uns interessiert das große Ganze."

Das führt zu einem effektiven Fahrprogramm. Das Gros der Volanteure orientiert sich bei der Einteilung ihrer Trainingseinheiten am Tankvolumen ihrer Porsche-Fahrzeuge. Ist der Benzinvorrat einmal aufgebraucht, legen sie gern eine Kaffeepause in der reservierten Gastronomie an der Einfahrt in die Nordschleife. Der symbolträchtige Name des Lokals: "Devil's Diner". In den Tischgesprächen geht es um tief schürfende, persönliche Einblicke – oder Einsichten, die oft genug Grenzerfahrungen sind. Dass sich inzwischen ein internationales Stammpublikum zum Manthey-Trackday einfindet, ist nicht nur auf die stetige Weiterentwicklung – die siebte Generation des Porsche 911 ist seit drei Jahren auf der Straße – zurückzuführen.

Die Teilnehmer fühlen sich einfach gut aufgehoben in einer familiären Atmosphäre, die Olaf und Renate Manthey kultiviert haben. 1996 eröffneten sie im idyllischen Rheinbreitbach ihren eigenen Betrieb, der im März 2000 in den damals neu erschlossenen Gewerbepark am Nürburgring umzog. Ende 2012 vollzog sich ein Generationswechsel. Nicolas und Martin Raeder, zwei im Motorsport erfolgreiche Brüder aus Mönchengladbach, traten in die Geschäftsführung ein. 2003 setzten sie schon einmal einen Porsche 911 GT3 R in der Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring, sprich: VLN, ein. Damit standen sie auch in Konkurrenz zu Manthey-Racing. Anschließend verfolgten die Raeders ein Mehrmarken-Konzept, ehe sie sich von 2013 an wieder verstärkt dem Mythos Porsche widmeten.

Beim Jubiläums-Trackday am 24. September 2014 auf der Nürburgring-Nordschleife standen auch sie Rede und Antwort. Olaf Manthey stellte sie bei der Fahrerbesprechung frühmorgens seiner internationalen Klientel vor – in Deutsch und Englisch. Nicht nur von der britischen Insel reisten weit mehr als die gewohnten 80 Nordschleifen-Piloten (und Pilotinnen) an, sondern auch aus den Alpenländern, Süd(ost)europa, den Benelux-Staaten, Frankreich und Skandinavien.

Die Vielfalt ihrer Porsche-Preziosen reichte von der gesamten Bandbreite der Elfer-Baureihen über Transaxle-Exoten bis hin zum 981 Cayman, der sich wachsender Beliebtheit erfreut. Auf Seiten der aktiven Rennfahrer war das Kollegium aus der diesjährigen Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring fast vollständig vor Ort: Nils Reimer, "Steve Smith", Reinhold Renger, Christian Menzel, Wolfgang Kohler, Georg Weiss, Oliver Kainz, Michael Jacobs, Marco Schelp und andere. Sie alle brachten ihre diesjährigen Einsatzwagen – zwei aktuelle 911 GT3 Cup, einen 911 GT3 MR, einen 911 GT3 Cup S sowie einen 911 GT3 Cup 3.8 mit, die vorerst im Teamzelt Aufstellung bezogen.

Reifenpartner Michelin war nicht nur mit einem Rennservice-Truck zugegen, sondern zusätzlich mit einem mobilen Ausstellungsbereich. Die Scherer-Gruppe, Akrapovic, Siku, KW sowie P13 bauten ebenfalls Präsentationen auf. So entstand eine regelrechte Fachmesse, die das Angebot des Trackdays erweiterte.

Am Abend verlagerte sich das Geschehen in den ersten Stock der Boxenanlage des Nürburgrings. In der Manthey-Lounge 27 fand die Sportfahrer-Gemeinde nochmals zusammen, um zu speisen und den Tag Revue passieren zu lassen. Es wäre müßig gewesen, jeden einzelnen Anwesenden um ein Fazit zu bitten. Dass es wie immer sehr beglückend war, stand den Allermeisten in den Gesichtern geschrieben. Und: Sie werden gerne wiederkommen – spätestens in zwölf Monaten, wenn das Motto bereits zum elften Mal lauten wird: "Speed and fun", was soviel bedeutet wie "Tempo und Fahrspaß". Der Eventname ist tatsächlich Programm!